WORKSHOP
Jazz-Rhythmik für Steptänzer
mit Thomas Altmann
Hamburg, 18.-19. Februar und 25.-26. Februar 2012, jeweils von 11:00 bis 18:00 Uhr
(Optionaler Einführungskurs in musikalische Rhythmik am 17. Februar 2012 von 17:30 bis 19:30 Uhr)
Ort: Steptanzschule HOOFERS , 22089 Hamburg (Eilbek), Conventstrasse 8-10, Haus D, IV. Stock
Intention
Ich habe im Verlauf meiner langen Praxis als Schlagzeuger und Percussionist in afroamerikanischer Musik festgestellt, daß von der ganzen Fülle nahezu grenzenloser rhythmischer Gestaltungsmöglichkeiten hauptsächlich nur ein ganz bestimmtes traditionelles Repertoire Verwendung findet, welches stofflich überschaubar bleibt.
Dieses rhythmische Repertoire - wie eine Sprache unterteilbar in Vokabular, Grammatik und Syntax - bildet die Grundlage von Komposition, Arrangement und Improvisation in allen Musikstilen, die von afrikanischer (und insbesondere westafrikanischer) Musik beeinflußt sind: afro-brasilianische Musik, afrocubanische Musik, aber auch Jazz aus New Orleans, New York, Chicago, Kansas City oder anderen Orten in Nordamerika und der ganzen Welt.
Es ist gerade die Kenntnis jener rhythmischen Sprache, die verschiedenste Instrumentalisten, Vokalisten und Tänzer, die sich vielleicht nie zuvor begegnet sind, miteinander verbindet und dazu befähigt, mit musikalischen Mitteln miteinander zu kommunizieren.
Ich könnte also fast dasselbe Workshop-Programm etwa für Sänger, Saxophonisten, Gitarristen oder Schlagzeuger anbieten. Aber es trifft sich nun einmal so, daß ich, obwohl selber mit wenig tänzerischem Geschick begabt, eine persönliche Verbindung zum Steptanz und einen Sinn für darstellerische Bewegung entwickelt habe. Es macht mir selber keinen Spaß, eine Musik zu spielen, die nicht auch tänzerisch darstellbar wäre. Folgerichtig arbeite ich oft und gerne mit Tänzern zusammen.
Nun habe ich festgestellt, daß heutzutage oft deutliche Berührungsängste zwischen Steptänzern und Musikern bestehen. Das ist geradezu paradox; denn in afrikanischer und afro-amerikanischer Tradition gehören Tanz und Musik untrennbar zusammen. Und für den Steptanz ist es vor allem der Jazz, der mit ihm einst die Kinderstube teilte, sich gemeinsam mit ihm entwickelt und sich wechselseitig geprägt hat. Was ist das für ein Jazz, der in verstiegenen harmonischen Konstruktionen und rhythmisch-mathematischen Spielereien jede tänzerische Komponente verloren hat? Und was ist mit dem Steptanz los, wenn er nur noch starre Routines, Schrittfolgen und artistisches Körpertraining kennt, ohne sich je in gemeinsamer Improvisation mit lebendigen Musikern entfaltet zu haben? (Siehe auch meinen Artikel Jazz, Drums & Tap Dance.)
Im Februar 2012 wiederhole ich nun eine Workshop-Reihe, die ich schon in den Jahren 2008 und 2010 erfolgreich durchgeführt habe. Das Material ist traditionell, die Methodik ist zeitgemäß, die Systematik neuartig und so pointiert wie umfassend.
Konzept
An zwei Wochenend-Workshops wird gezielt rhythmisches Material erarbeitet, das dem Steptänzer das Verständnis dafür vermittelt, was ein Musiker tut, wenn er rhythmisch improvisiert, und ihm selber das Handwerkszeug verleiht, im Jazz-Kontext sinnvoll zu agieren und zu reagieren.
Die Methode ist ausdrücklich auf Musikpraxis ausgerichtet. Ich bringe den Teilnehmern anhand der praktischen Übungen nebenher musikalische Terminologie und Notation bei.
Die Workshop-Teilnehmer lernen in praktischen Übungen, ihre Füße als Stimme und Solo- oder Melodiepart zu verstehen. Von kleinsten rhythmischen Motiven und eintaktigen bis viertaktigen Rhythmus-Patterns bis hin zu längeren thematischen Phrasen und rhythmischen Variationstechniken lernt der/die Tänzer(in), dieselbe Sprache zu sprechen, die auch ein Musiker benutzt.
Die Umsetzung der rhythmischen Patterns in entsprechende Step-Figuren muß sinnvoll sein, bleibt aber in der Ausführung frei und dem einzelnen Tänzer überlassen; das heißt, technische Grundfertigkeiten im Steptanz, die dies ermöglichen, werden vorausgesetzt.
Eigene Stepschuhe sind mitzubringen. Schreibzeug ist nützlich, und Aufnahmegeräte sind willkommen; einfach alle Hilfsmittel, die den Lerneffekt erhöhen, ohne den Kursverlauf zu stören.
Kurs 1 (18.-19. Februar 2012)
- Beat und Off-Beat, Synkope
- Swing-Feeling und -Interpretation
- Tresillo und Cinquillo, ihre Variationen und Verschiebungen
- Die Clave und Comping-Patterns im Jazz
- Der Second Line (Parade) Beat; zweitaktige 3-Achtel-Verschiebungen im 4/4-Takt
- Bell Patterns: Zweitaktige Timeline-Figuren als Basis zur "Melodie"-Phrasierung
- Phrasierung, Auftakt etc.
Kosten: 80,- € pro Person für das Wochenende. Dauer: 2x7 Stunden incl. je 1 Stunde Mittagspause.
Kurs 2 (25.-26. Februar 2012)
- Kurze Wiederholung des Stoffes aus dem ersten Kurs (soweit dies für den zweiten erforderlich ist)
- Viertaktige 3-Achtel-Verschiebungen im 4/4-Takt
- 3-Viertel-Perioden über zwei und vier 4/4-Takte
- Viertel- und Halbe-Triolen (3-gegen-2- und 3-gegen-4-Verhältnisse)
- Double Time
- Kombination der erlernten Techniken
- Chorusformen: Formstrukturen im Jazz
- Je nach den zeitlichen Möglichkeiten wird auch rhythmische Gestaltung im 3/4-Takt (Jazz Waltz), im 12/8-Takt und in Up-Tempos behandelt.
Kosten: 80,- € pro Person für das Wochenende. Dauer: 2x7 Stunden incl. je 1 Stunde Mittagspause.
Zusätzlicher Einführungskurs (Freitag, 17. Februar 2012, 17:30 - 19:30 Uhr)
Am Abend vor dem ersten Kurs biete ich den Teilnehmern nach Wunsch die Möglichkeit, rhythmisches Grundmaterial aufzuarbeiten:
- Beats und ihre Unterteilungen (Achtelnoten, Achteltriolen, Sechzehntel)
- Zwei- und Dreischlaggruppen (von vier Achteln)
- Off-Beat-Übungen und Synkopen
Kosten: 15,- € pro Person; Dauer: 2 Stunden.
Anmeldung zu den Workshops bitte schriftlich und postalisch! Das Anmeldeformular ist in den Workshop-Flyer (PDF, 370 kb) integriert, die Postadresse und sonstige Hinweise sind dem Text des Flyers zu entnehmen.
Die Teilnahme am vorbereitenden Einführungskurs bedarf keiner Anmeldung. Wer aber sicherstellen will, daß er dabei ist (Höchstteilnehmerzahl 15 Personen), schreibe mir bitte so früh wie möglich eine E-Mail (s. unten).
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